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Unlock.AI #3:

Wie KI die Entwicklungs- und Wissensarbeit konkret verändert

Bei der dritten Ausgabe von Unlock.AI am 16. April wurde erneut deutlich, warum das Format auf so großes Interesse stößt: Über 80 Teilnehmende kamen zusammen, um über konkrete Anwendungen, aktuelle Entwicklungen und praktische Erfahrungen rund um Künstliche Intelligenz zu diskutieren.
Im Mittelpunkt des Abends stand diesmal das Thema AI-Assisted Engineering. Die Vorträge zeigten aus unterschiedlichen Perspektiven, wie KI bereits heute Entwicklungs-, Wissens- und Entscheidungsprozesse verändert – und wo ihre Grenzen liegen.
Wissenschaftliche Einordnung: KI-Systeme als hybride Entscheidungsunterstützung
Zum Auftakt gab Prof. Dr. Martin Atzmüller vom DFKI und der Universität Osnabrück eine wissenschaftliche Einordnung. Im Zentrum seiner Präsentation standen hybride Verfahren zur Entscheidungsunterstützung, die Funktionsweise großer Sprachmodelle und die Frage, wie sich solche Systeme mit symbolischem Wissen kombinieren lassen.

Von Proto-Hype zu produktiven Lösungen

Florian Hofmann von der HARTING Technologiegruppe schlug anschließend die Brücke in die industrielle Praxis. In seinem Vortrag „From Proto-hype to Production“ zeichnete er die eigene KI-Reise nach: vom frühen Hype über erste Prototypen bis hin zu Lösungen, die sich in reale Arbeitsprozesse integrieren lassen.
Besonders anschaulich war sein Fokus auf konkrete, eng umrissene Anwendungsfälle. Die zentrale Botschaft: Spezialisierte, funktionierende Lösungen schaffen oft mehr Wert als große, aber unscharfe KI-Vorhaben. Engineer-in-the-loop, die Integration in bestehende Tools und schnelles Nutzerfeedback spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Inhouse entwickelt: KI für die Verarbeitung von Eingangsrechnungen

Eine weitere sehr konkrete Anwendung zeigte Ralf Lenger, CIO und Prokurist der Steinemann Gruppe. Er berichtete darüber, wie die IT-Abteilung des fleischverarbeitenden Unternehmens aus Steinfeld inhouse ein Tool entwickelt hat, mit dem sich Eingangsrechnungen automatisiert auslesen und im System weiterbearbeiten lassen.
Die gezeigte Prozesslogik war dabei sehr greifbar: Zunächst werden Dokumentdaten aus PDFs und, falls vorhanden, aus XML-Dateien extrahiert. Anschließend verarbeitet ein KI-Modell die Inhalte und überführt sie in eine standardisierte Datenstruktur, bevor die Informationen im DMS und im weiteren Systemkontext abgelegt und genutzt werden. Gerade solche Lösungen zeigen, wie KI jenseits des allgemeinen Hypes dort besonders stark wird, wo wiederkehrende Prozesse, saubere Datenflüsse und klar definierte Aufgaben zusammenkommen.

KI-Assistenten beim Programmieren: Produktivität braucht Verantwortung

Kevin von Bargen vom Joint Lab KI und Data Science beleuchtete in seinem Vortrag die Nutzung von KI-Assistenten beim Programmieren in wissenschaftlicher Entwicklung. Besonders stark war seine differenzierte Betrachtung der verschiedenen Unterstützungsformen: von Code Completion über Chatbots bis hin zu Coding Agents.
Seine Einordnung machte deutlich, dass mit wachsender Autonomie nicht nur das Produktivitätspotenzial steigt, sondern auch das Risiko. Gerade in wissenschaftlichen Kontexten, in denen Exaktheit, Nachvollziehbarkeit und methodische Korrektheit zentral sind, reicht plausibel wirkender Code nicht aus. Verantwortung bedeutet hier, fachlich und technisch für den Code einstehen zu können. KI kann dabei stark unterstützen, das Verstehen aber nicht ersetzen.

Was vom Abend bleibt

Ob in der Forschung, in der industriellen Produktentwicklung, in administrativen Unternehmensprozessen oder in der wissenschaftlichen Softwareentwicklung: Entscheidend sind nicht allein die technischen Möglichkeiten, sondern die Qualität ihrer Einbettung. Gute Systeme entstehen dort, wo Domänenwissen, saubere Prozesse, Verantwortung und reale Anwendungsfälle zusammenkommen.

Genau diese Verbindung aus wissenschaftlicher Einordnung, unternehmerischer Praxis und konkreten Anwendungsbeispielen steht im Mittelpunkt der Unlock.AI-Reihe. Wir danken allen Referenten, Partnern und Gästen für die spannenden Impulse, die offenen Diskussionen und den intensiven Austausch.